Iris Rodriguez

Journalistin & Texterin

Daniel Barenboim

Redaktionelles - People
Projektbild Daniel Barenboim Portrait
Daniel Barenboim Portrait
Daniel Barenboim
Best in Class für 'White'
Text: Iris Rodriguez

Brücken aus Musik.

Intro:

Daniel Barenboim (63) ist ein streitbarer Ausnahmemusiker, der die Musik als Mittel der interkulturellen Verständigung einsetzt. Der Pianist und Dirigent, Autor, Philosoph und unermüdliche Friedenskämpfer im Nah-Ost-Konflikt ist schon zu Lebzeiten fast so etwas wie eine Legende.

Text:

Als am 27. Januar 2006 das Jubiläumskonzert zu Mozarts 250. Geburtstag aus der Staatsoper unter den Linden live in alle Welt übertragen wurde, war Daniel ‚Barenboim eine halbe Stunde vor Konzertbeginn erkrankt. Das Konzert wurde unter der Leitung seines Assistenten Julien Salemkour ein großer Erfolg.
Vielleicht ist das eben die besondere Fähigkeit des Ausnahmemusikers Barenboim, andere Talente neben sich wachsen zu lassen und sie zur Meisterschaft zu führen. Überhaupt scheint der israelische Stardirigent jemand zu sein, der den Menschen ein ganz besonderes Gefühl vermitteln und sie nachhaltig bewegen kann - nicht nur seine Musiker, sondern auch die Auditorien in allen großen Konzertsälen dieser Welt. Geboren 1942 als Sohn eines Pianistenpaares in Buenos Aires gab Barenboim schon als siebenjähriger Junge sein erstes Konzert, wurde in den Fünfziger Jahren als pianistisches Wunderkind gefeiert und fasziniert bis heute die Menschen mit seinem herausragenden Können. Doch nie hat er sich ausgeruht auf seinem Erfolg, 'molto presto' – druckvoll scheint sein Lebenstempo zu sein.
Heute gehört er zu den wenigen Musikern, unserer Zeit, die sowohl als Instrumentalist als auch als Dirigent ganz oben stehen. Sein Debut am Taktstock gab Daniel Barenboim 1967 dann auch gleich mit dem New Philharmonic Orchestra. Er war Musikalischer Direktor des Orchestre de Paris und des Chicago Symphony Orchestra, ist Generalmusikdirektor der Deutschen Staatsoper Berlin, die Staatskapelle Berlin wählte ihn zum Chefdirigenten auf Lebenszeit.

Die Fugen von Bach lehrten Barenboim die Unabhängigkeit der Hände und Finger, die Lektüre von Spinozas Ethik lehrte ihn schon in jungen Jahren das Recht der Freiheit des Geistes. So virtuos er das eine beherrscht, so stark prägt ihn das andere und bestimmt das Denken und Handeln dieses politischen, manchmal provokanten Musikers bis heute. Denn für ihn ist Musik ein Mittel zur Überwindung der Gegensätze zwischen den Völkern. So gründete der jüdische Dirigent russischer Abstammung im Jahr 1999 gemeinsam mit dem palästinensischen Literaturprofessor Edward W. Said das East- Western-Divan-Orchestra, in dem junge Nachwuchsmusiker aus Israel und den arabischen Ländern gemeinsam musizieren. Unter den Augen der Weltöffentlichkeit spielte das Orchester 2005 im Kulturpalast von Ramallah Mozart und Tschaikowsky. Daniel Barenboim baut seine Brücken nicht auf Betonpfeilern, sondern auf Partituren und glaubt daran, dass durch die Kraft der Musik die Welt ein besserer Ort werden kann.

Der Weltenbürger mit drei Staatsangehörigkeiten spricht sieben Sprachen fließend, doch seine Sprache war immer eine, die alle verstehen.
Und so verwundert es kaum, dass schon 1954 Wilhelm Furtwängler über den damals elfjährigen Pianisten schrieb: "Daniel Barenboim ist ein Phänomen." Heute, 52 Jahre später, ist er es immer noch.

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