Iris Rodriguez

Journalistin & Texterin

Michael Ballhaus

Redaktionelles - People
Projektbild

Der Bildbauer.

Intro:

Michael Ballhaus ist ein Geschichtenerzähler, dessen Stimme die Bilder sind. Mal laut, mal leise, aber immer in der richtigen Tonart gibt er Filmen das, was gute Filme haben müssen: Große Gefühle.

Text:

Michael Ballhaus ist ein Ausnahmekameramann. Einer, der nicht am Look erkannt werden will, sondern jedem Film einen individuellen Stil verleiht. Einer, der sich mehr für die Geschichten als für die Technik interessiert. Einer der mit seiner Freude an der Arbeit das ganze Team ansteckt, der sich selbst zurücknimmt und doch prägend ist - kein Wunder, dass Regisseure wie Scorsese oder Coppola, Nichols, Redford oder Petersen die Zusammenarbeit mit Michael Ballhaus so schätzen. Der Siebzigjährige gebürtige Franke hatte von klein auf engsten Kontakt zum Schauspiel: Seine Eltern waren selber Schauspieler und leiteten ein Theater.

Bereits sein erster Film als Kameramann - er war damals 25 Jahren alt - war eine Ausnahme, denn mit wenig Erfahrung und ohne die klassische Assistenzzeit eines Kameramannes durchlaufen zu haben, entwickelte er mit dem Regisseur Peter Lilienthal den Film vom Drehbuch über Storyboard bis zum Schnitt.
An dieser engen Zusammenarbeit mit den Regisseuren hat er immer festgehalten, seine Denke war immer sehr direkt und bezogen auf den Stoff, nicht auf die Technik. 'Ich überlege mir nie, wie ich etwas technisch umsetzte. Natürlich habe ich eine Vorstellung von Einstellungen und Bewegungen, aber wie etwas realisierbar ist, sagen mir meine Mitarbeiter. Es ist die Kunst die mich mehr interessiert als die Technik.'

Als einer der erfolgreichsten Kameramänner der Welt prägt er wie kein anderer am Set den Stil und die Visualität eines Films. Er hätte die Macht, mit Effekten zu beeindrucken, visuelle Reize zu geben, die immer raffinierter werden. Doch das drängt die Geschichten in den Hintergrund - und das ist nicht die Sache von Michael Ballhaus. Mit seinen eleganten, oft spektakulären Kamerafahrten und einem Licht, das bis in die feinsten Zwischentöne komponiert ist, macht er eben keine Bilder um des Looks willen. Vielmehr soll die Bildgestaltung der Geschichte dienen. 'Wo man etwas mit Bildern ausdrückt, was nicht im Dialog stattfindet, da fängt es an mir Spaß zu machen', gesteht er. Natürlich geht es ihm vor allem um neue Bilder, aber auch darum, den Kontext der Bilder zueinander und den Rhythmus des Films neu zu erfinden.
Wenn aber jeder Film anders und eigenständig ist, was ist dann der Ballhaus-Stil? 'Ich möchte nicht an meinen Filmen erkannt werden', gibt er bescheiden zur Antwort. Schon wieder eine Ausnahme: In einer eitlen Zeit, in der Stil fast alles ist, verzichtet Ballhaus darauf, an einem festgemacht zu werden.
Und der Erfolg gibt ihm Recht. Michael Ballhaus erhielt die Goldene Leinwand für sein Lebenswerk, zweimal den Bundesfilmpreis, war dreimal für einen Oscar nominiert und zweimal in Amerika 'Kameramann des Jahres'. Die Jury des Deutschen Kamerapreises verlieh ihm den Titel "Ehrenkameramann".

Doch einmal im Jahr ist Schluss mit den Ausnahmen: Weihnachten feiern Michael und Helga Ballhaus mit ihrer Familie zuhause in Berlin. Und da gibt es - ganz klassisch - Gans mit Rotkohl und Klößen.

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