Iris Rodriguez

Journalistin & Texterin

Glühbirnen

Redaktionelles - Vermischtes
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Vom Verglühen einer Ära

Intro:

Seit Edison erhellt uns die Glühbirne das Leben. Nun muss sie dem angeblich umweltfreundlicheren Leuchtmittel weichen

Text:

Die Glühbirne, Mutter aller Erfindungen. Sie wurde zum Symbol für gute Ideen, zur visuellen Ikone der Erleuchtung. Tausende andere Erfindungen wären ohne ihr Licht nicht denkbar gewesen. Seit 135 Jahren erhellt sie zuverlässig unser Leben.

Nun, mit Ausklingen des Industriezeitalters, fällt auch dieses Denkmal. Seit das Ableben der Glühbirne in Brüssel beschlossene Sache ist, wird viel über Licht und seine Qualität nachgedacht. Was vielen erst jetzt bewusst wird: Die Glühbirne schenkt natürliches, warmes Licht. Doch ausgerechnet Wärme wurde ihr jetzt zum Verhängnis. Nur fünf Prozent der Energie wandelt sie tatsächlich in Licht um, der Rest verpufft als nicht genutzte Wärme. Das ist Energieverschwendung, schon klar. Die Klimawächter in der EU -Kommission haben das erkannt und ab 2012 die Glühbirne kurzerhand verboten.

Die Tage des Leuchtkörpers, der einst die Welt revolutionierte, sind also gezählt. Schade nur, dass man heute nach guten Alternativen noch lange suchen muss. Die Energiesparlampe klingt nach einem sinnvollen Ersatz, ihr Vorteil steckt schließlich schon im Namen. Aber ist sie wirklich ein adäquater Nachfolger? Wer ökologisch bewusst lebt, hat schon vor Jahren auch ohne Zwang aus Brüssel versucht, konsequent auf Energiesparlampen umzusteigen – leider scheiterte der meist teure Versuch daran, dass das Licht miserabel war und es Lichtjahre dauerte, bis die Lampen endlich ihre volle Leuchtkraft entfalteten. Überhaupt ist die Liste der Nachteile lang: Sie hat eine schlechte Ökobilanz durch aufwendige Produktions- und Entsorgungsverfahren, muss wegen ihres Quecksilbergehalts als Sondermüll entsorgt werden und flimmert und flackert im für das menschliche Auge nicht sichtbaren Bereich, was schlecht für die Gesundheit ist. Oft ist die Energieersparnis viel geringer als angegeben, und während Glüh- und Halogenlampen eine homogene Farbverteilung haben, in der alle Farben ausgewogen und relativ naturnah vorkommen, ist das bei der Energiesparlampe nicht der Fall.

Für die Kunst, die auf höchste Lichtqualität angewiesen ist, damit Farben richtig wiedergegeben werden, stellen Energiesparlampen ein echtes Problem dar. Wie schaffen Museen in Zukunft ein künstliches Tageslicht, ohne dass die Ausstellungsräume kalt und steril wirken? Mit welchen neuen Leuchtmitteln kommen die Exponate wirklich zum Ausdruck? Museumsdirektoren können nur auf Energiesparlampen hoffen, die das gesamte Farbspektrum wiedergeben. Und sich notfalls mit Beständen der erprobten Lichtsysteme eindecken.

Aber auch im privaten Bereich ist gutes Licht unersetzlich. Wer mag sich schon morgens im Spiegel anschauen und bei schlechtem Licht ungesund aussehen? Bisher konnte man selbst entscheiden, wo man welche Lichtquelle einsetzt. In drei Jahren wird es diese Freiheit nicht mehr geben. Vielleicht, weil zu viele gezögert haben, Energiesparlampen einzusetzen, Schätzungen zufolge sind in Deutschland noch 3,5 Milliarden Glühbirnen im Einsatz.

Eine deutlich umweltfreundlichere Technologie als die der Energiesparlampen weckt Hoffnungen auf eine leuchtende Zukunft: Die lichtemittierende Diode (LED ). Sie erobert derzeit die Märkte und schafft es, ästhetische, gesundheitliche und ökologische Ansprüche zu vereinen. LED s verfügen über enormes Innovations-, Wachstums- und vor allem Energiesparpotenzial. Sie sind sehr flexibel einsetzbar, völlig unschädlich für den Menschen, haben eine extrem hohe Lebensdauer und wandeln Strom direkt in Licht um. Obwohl nur eineinhalb Prozent des in Haushalten verbrauchten Stroms in die Beleuchtung fließt, haben Experten errechnet, dass bei einem Komplettaustausch sämtlicher Glühlampen gegen Leuchtdioden ein Energieeinspar-Potenzial entstünde, das 12,5 Millionen Tonnen Steinkohle oder 68 Milliarden Autobatterien pro Jahr entspricht.

Die Entwickler bei Philips, Siemens, Osram und Co. arbeiten mit Hochdruck an der Verbesserung dieser Technologie. Mit den winzigen LED s sind ganz neue Beleuchtungskonzepte möglich: Fenster werden bei Dunkelheit zum Leuchtkörper, Tischdecken und Tapeten erhellen Räume und jede Art von Körper kann zur Leuchte werden. Vor allem OLED s (Organische LED s) haben das Potenzial, unsere Vorstellung von künstlichem Licht radikal zu verändern. Sie bestehen aus mehreren organischen Schichten, die auf hauchdünne Glasplatten oder Folien aufgedampft werden und beim Anlegen einer Spannung zu leuchten beginnen – ein riesiger Spielplatz für Designer.

Irgendwann wird gutes Licht viele schöne Formen annehmen können. Die gute alte Glühbirne hingegen werden wir dann nur noch in Museen finden. Dort wird ihr gewundener Draht von einer erloschenen Ära erzählen.

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