Iris Rodriguez

Journalistin & Texterin

Karrierebranchenführer

Redaktionelles - Vermischtes
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Interview für ZEIT (marktplatz.zeit.de/angebote/karrierebranchenfuehrer/automobilindustrie/bewerbungstipps)

Geschickt, gewandt, gutaussehend

Intro:

Ingenieursmangel hin oder her - bei der Suche nach dem besten Nachwuchs macht die Automobilindustrie keine Kompromisse. Wie man den hohen Ansprüchen am besten begegnet, erklärt der Personalberater Wolfgang K. Eckelt.

Text:

ZEIT online: Wie sehen die Zukunftsaussichten für Ingenieure aus?

Wolfgang Eckelt: Hervorragend, insbesondere vor dem Hintergrund eines Generationswechsels in den Führungsetagen sehe ich exzellente Karrierechancen. Allerdings sucht alle Welt den international gebildeten, kommunikationsstarken und reisewilligen Ingenieur, der auch bereit ist, mal für einen längeren Zeitraum zum Beispiel nach Asien oder Südamerika zu gehen. Doch der ist schwer zu finden.

ZEIT online: Haben Sie dafür eine Erklärung?

Eckelt: Bequemlichkeit und Auslandsmüdigkeit. Viele junge Menschen waren im Rahmen ihres Studiums bereits im Ausland. Zum Berufseinstieg sind sie dann Mitte, Ende 20, was oft mit einer Familiengründung zusammenfällt. Das macht es nicht unbedingt leichter, auch für die Partnerin oder den Partner eine spannende Tätigkeit zu finden. Weil das Wachstum der Unternehmen aber vor allem im Ausland stattfindet, beklagen Firmen explizit die Auslandsmüdigkeit der Ingenieure. Ich höre immer wieder: "Wir finden einfach keine jungen Leute, die für zwei bis drei Jahre ins Ausland gehen würden."

ZEIT online: Erstaunlich, dass die Branche der Mobilität so immobil ist.

Eckelt: Das stimmt. Ich hatte vor Kurzem ein Gespräch bei einem großen Nutzfahrzeughersteller in München. Man erzählte mir, dass es Bewerber gab, die vom anderen Ende Münchens kommen und denen der Weg zu weit ist. Ingenieure sind tatsächlich hochgradig immobil. Der klassische Ingenieur möchte mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren. Und so kreativ er in seinem Beruf ist, so geistig wie physisch immobil ist er in diesem Bereich.

ZEIT online: Beschreiben Sie doch mal den idealen Bewerber für einen Autokonzern.

Eckelt: Sie sind international ausgebildet, das heißt, sie haben mindestens ein Auslandssemester oder ein Praktikum im Ausland sowie einige berufsorientierte Praktika gemacht. Internationalität ist heute wirklich ein Muss, Mehrsprachigkeit ist gewünscht, wobei Englisch schon als selbstverständlich gilt. Außerdem ist es gut, kommunikationsstark und extrovertiert zu sein. Das gilt übrigens auch für den Entwicklungsingenieur, der nicht mehr nur Tüftler im stillen Kämmerlein ist, sondern immer häufiger beim Hersteller vor Ort in Entwicklungs- und Projektteams eingesetzt wird. Auftreten und Persönlichkeit haben heute einen hohen Stellenwert bei den Personalern.

ZEIT online: Nicht jeder bekommt Kommunikationstalent und ein sicheres Auftreten in die Wiege gelegt. Wo lernt man so etwas?

Eckelt: Viele junge Ingenieure verlassen im Hinblick auf Soft Skills die Hochschulen gänzlich unerfahren. Sie haben eine fachlich hervorragende Ausbildung, aber zum Thema Verhandlungs- und Gesprächsführung oder Auftreten vor den Kollegen beziehungsweise den Kunden lernen sie an den meisten Hochschulen nichts. Und wenn man auf den Jobmessen die Unbeholfenheit sieht, mit der sie sich kleiden, wird das große Defizit schon augenfällig. Ich bekomme oft gesagt: "Ein Ingenieur, der aussieht wie ein Ingenieur, den bringen sie mir bitte nicht." Der Trend geht also wirklich zum "gut aussehenden" Ingenieur, der gewandt ist und Umgangsformen hat.

ZEIT online: Brauchen wir also Kleidungskurse an den Unis?

Eckelt: Ich würde es Business-Etikette nennen. Es wäre hilfreich, wenn externe Coaches zumindest in der Endphase des Studiums in Fragen wie der Erscheinung, des Auftretens oder des Verhandelns unterstützen könnten. Im Grunde genommen bräuchten wir an den Hochschulen Soft-Skill-Kurse, die schon beim Bewerbertraining anfangen: Wie führe ich ein Vorstellungsgespräch, wie präsentiere ich mich gegenüber potenziellen Arbeitgebern und Kunden? Die Absolventen müssen einfach besser für den Eintritt in den Arbeitsmarkt vorbereitet werden.

ZEIT online: Wie laufen die Auswahlverfahren und die Entscheidung für einen Bewerber ab?

Eckelt: Bei den Mittelständlern führt man meist zwei Vorstellungsgespräche, bei großen Unternehmen sind die Bewerbungsphasen mehrstufig. In der Regel folgt auf die Bewerbung eine Einladung zu einem Bewerberpark, in dessen Rahmen Assessment-Center und die Bearbeitung von Fallstudien stattfinden. Schließlich folgen noch ein oder zwei Gespräche mit Personalabteilung und Fachabteilung.

ZEIT online: Wie lange dauert es bis zur Entscheidung?

Eckelt: Ein solcher Prozess dauert zwischen vier und zwölf Wochen. Generell kann man sagen, dass heute ein Bewerbungsprozess länger dauert als noch vor zwei Jahren. Das hängt damit zusammen, dass schlichtweg weniger Masse da ist, trotz des Mangels an geeignetem Nachwuchs jedoch sehr hohe Anforderungen gestellt werden. Die Arbeitgeber sind kaum zu Kompromissen bereit. Man sucht den idealen Bewerber und sucht im Zweifelsfall einfach länger. Selbst Einstiegspositionen können die Unternehmen manchmal erst nach einem halbes Jahr besetzen.

ZEIT online: Was hat sich in der Automobilbranche im Hinblick auf Personalbeschaffung in den letzten Jahren verändert?

Eckelt: Der Grad der Professionalisierung ist heute viel höher. Die Unternehmen zeigen Präsenz auf Hochschulmessen, Marketing-Veranstaltungen und Jobmessen, sie tragen Direktveranstaltungen wie Tage der offenen Tür aus, laden Hochschüler zu Praxistagen ins Unternehmen ein oder präsentieren ihr Unternehmen als Arbeitgeber auf Recruitings on Campus. Wo es vor 20 Jahren gerade einmal zwei oder drei Publikationen gab, in denen Unternehmen für sich warben, gibt es heute für jede Branche eine Vielzahl von Veröffentlichungen, in denen sich Berufsanfänger informieren können. Hinzu kommt als unerschöpfliche Informationsquelle das Internet, das über die Automobilbranche im Allgemeinen und über Unternehmen im Speziellen Auskunft gibt.

ZEIT online: Das klingt allerdings für Jobsuchende nach einer neuen Form von Informationsüberflutung.

Eckelt: Tendenziell schon. Allerdings findet man auf den Veranstaltungen immer wieder dieselben 20, 30 Unternehmen. Denn obwohl immer mehr solcher Veranstaltungen stattfinden, nimmt der klassische Mittelstand sie nur zögerlich für sich wahr. Und das, obwohl der überwiegende Teil der 9000 in der Automobilindustrie nicht zu besetzenden Ingenieursstellen in der Zulieferbranche zu finden sind.

ZEIT online: Warum ist die Automobilbranche für Jobeinsteiger so faszinierend?

Eckelt: Zum einen ist sie Deutschlands wichtigster Wirtschaftszweig und größter Arbeitgeber. Außerdem üben Automobile nun einmal eine starke Faszination aus und man darf nicht vergessen, dass viele Autohersteller nicht nur zu den bekanntesten Marken gehören, sondern auch zu den beliebtesten. Mich wundert es daher nicht, dass die Autobauer in den Rankings um Arbeitgeberattraktivität immer auf den Spitzenplätzen auftauchen.

ZEIT online: Was sind die klassischen Tätigkeitsfelder in der Automotilebranche?

Eckelt: Auf der einen Seite natürlich Ingenieurberufe, dort insbesondere für Entwicklung. An zweiter Stelle stehen Vertriebspositionen, wo aber in der Regel auch Ingenieure gesucht werden. Aber es gibt auch gute Karriereperspektiven im Produktmarketing oder in der Öffentlichkeitsarbeit.

ZEIT online: Und welche Jobs sind spannend, aber nicht so offensichtlich?

Eckelt: Sehr gefragte Spezialisten sind zum Beispiel Ingenieure, die sich mit der Gestaltung des Innenraums von Fahrzeugen beschäftigen. Wie soll sich das Fahrzeug anfühlen? Aus welchem Material wird das Armaturenbrett gestaltet? Sound spielt beim Auto ebenfalls eine bedeutende Rolle: Wie soll der Motor oder der Auspuff klingen, wie sich das Geräusch einer zuschlagenden Türe anhören? Ein Mercedes oder ein 911 haben ganz charakteristische Soundprofile. Soundtechniker arbeiten auch mit Hifi-Anlagenherstellern zusammen, um sehr hochwertige Soundlösungen speziell für einzelne Modelle zu entwickeln. Und nicht zuletzt: das klassische Design. Autos verkaufen sich immer mehr darüber. In all diesen Bereichen werden Ingenieure und Ingenieurinnen gesucht.

ZEIT online: Was würden Sie Absolventen raten, die gerne in die Automobilbranche möchten?

Eckelt: Generell sollten sie frühzeitig Kontakt mit potenziellen Arbeitgebern aufnehmen und zielgerichtete Praktika absolvieren. Kontaktmessen zu besuchen ist auch eine gute Übung. Und: Nicht nur zu den Großen schauen! Denn die besten Karrierechancen sind nicht unbedingt immer gleich so offensichtlich. Während es Berufseinsteigern bei Mercedes oder BMW passieren kann, dass sie in Nachwuchsteams lange Zeit für die Schraube X am Modell Y verantwortlich sind, bieten kleinere Unternehmen oft interessante Chancen und Möglichkeiten, weil die Strukturen nicht so festgefahren sind. Ich würde mich immer lieber auf die Suche nach versteckten Perlen in der Zuliefererindustrie machen, international agierende Unternehmen heraussuchen, die höhere Wachstumsraten haben als jeder Automobilhersteller. Da sehe ich übrigens auch mehr Arbeitsplatzsicherheit.

Wolfgang Eckelt ist Inhaber und geschäftsführender Gesellschafter der Personal- und Managementberatung Eckelt Consultants in Stuttgart , die sich seit 1999 auf den Sektor der Automobilbranche spezialisiert hat. Zudem ist er Herausgeber des Top Career Guide Automotive.

Interview: Iris Rodriguez.

Interview für ZEIT (marktplatz.zeit.de/angebote/karrierebranchenfuehrer/automobilindustrie/forschung)


Beruf mit Zukunft

Intro:

An manchen Orten lässt sich die Zukunft früher blicken als anderswo. So wie bei den Mobilitätsforschern der Daimler AG. Ein Gespräch über geheimnisvolle Forschung, Science Fiction und die Zukunft des Automobils.

Text:

ZEIT online: Herr Minx, Sie sind Zukunftsforscher bei der Daimler AG. Wie erklären Sie Ihren Kindern, was Sie tun?

Eckhard Minx: Meine Kinder haben früher immer gesagt: "Was unser Papa macht, ist ganz geheim", weil sie als Kinder zunächst schwer begreifen konnten, wie die Ergebnisse einer Zukunftsforschung sichtbar werden. Aber so geheimnisvoll ist das gar nicht. Im Kern beschäftigen wir uns mit der Frage: Wie bewegen sich Menschen von A nach B? Was muss man dabei bedenken? Was muss man dafür tun, damit dies reibungslos klappt? Wie sicher, schnell und bequem kann das gehen?

Frank Ruff: Etwas weiter gefasst, geht es dann auch darum, wie sich Mobilität weltweit verändert? Denn sie ist ja regional und gesellschaftlich unterschiedlich ausgeprägt, befindet sich in verschiedenen Regionen auf verschiedenen Entwicklungsstufen, was für uns als weltweit agierendes Unternehmen von großer Bedeutung ist.

ZEIT online: Wie genau funktioniert denn dieser Blick in die Zukunft?

Eckhard Minx: In unserem über 60-köpfigen Team, zu dem auch Studenten und Doktoranden gehören, vereinen wir eine Vielzahl von Disziplinen. Diese Interdisziplinarität erhöht zum einen unsere Wahrnehmungsfähigkeit und zum anderen schärft sie den Blick dafür, wie andere Menschen auf gleiche Fragen ganz andere Antworten finden. So bekommt man andere Zugänge und Perspektiven zu diesen Forschungsfragen. Wir lesen natürlich viel, sammeln Fakten, sprechen mit Menschen, die sich mit ähnlichen Fragen beschäftigen. Auch mit Querdenkern, die ganz andere Zugänge zu Fragen haben.

ZEIT online: Wie und wo finden Sie solche Mitarbeiter?

Ruff: Wir schreiben Stellen nicht aus, sondern suchen Menschen, die mindestens zwei interessante Qualifikationen miteinander verknüpfen und jenseits ihrer Hauptqualifikation noch andere fachliche Interessen verfolgen. Neben dem fachlichen "Standbein" sollte ein "Spielbein" für neue Themen erkennbar sein.

Eckhard Minx: Wenn wir einen Mitarbeiter suchen, sollte dieser in seiner Expertise hervorragend sein, aber dennoch offen für andere Bereiche und auch bereit sein, Wissen zu teilen. Denn bekanntlich wird Wissen mehr, wenn man es teilt. Der Lebenslauf eines Mitarbeiters kann dabei ruhig ungewöhnlich sein. Das sehen wir eher positiv, denn unserer Rekrutierungskriterien sind nicht - wie bei vielen anderen - an der Vergangenheit orientiert.

ZEIT online: Welche Entwicklungen der letzten Jahre haben die Mobilität am meisten verändert?

Eckhard Minx: Das sind vor allem die neuen Technologien. Denken Sie an das Internet, den Email-Verkehr oder Videokonferenzen, die einen Teil der Mobilität ablösen. Die technischen Entwicklungen zu beobachten und sie im Hinblick auf ihre Wirkungen auf die Mobilität zu hinterfragen - das ist essenziell.

Ruff: Google Earth ist auch eine solche Entwicklung. Nun ist es möglich, sich virtuell an andere Orte zu bewegen, Städte und einzelne Häuser aus der Vogelperspektive zu betrachten - das wird unser Bild von Mobilität beeinflussen. Auch der Blick auf den Erdball, den bis vor einiger Zeit nur Astronauten sehen konnten, ist ein kulturprägendes Bild der modernen globalen Mobilität geworden.

Eckhard Minx: Ja, wir gehen mit diesen technischen Revolutionen ganz selbstverständlich um, ohne dabei immer mitzudenken welch unglaublichen Wechsel der Perspektive sie mit sich bringen.

ZEIT online: Wäre für Sie noch ein weiterer Perspektivwechsel denkbar?

Eckhard Minx: Sehr langfristig: Und zwar der, dass Menschen systematisch diesen Planeten verlassen, um woanders hinzuziehen. Bisher kommen sie als Raumfahrer immer wieder zurück, aber es wäre ein weiterer perspektivischer Schritt, wenn Menschen die Erde für längere Zeit verließen.

Ruff: Ein Anfang ist schon gemacht: Die ersten Reiseangebote für einen Aufenthalt von Privatpersonen im Weltraum gibt es schon. Weltraumtourismus ist ein Thema, mit dem sich auch Raumfahrtagenturen wie die European Space Agency schon beschäftigt haben.

Eckhard Minx: Andere Planeten könnten angesichts der Endlichkeit der Ressourcen auf der Erde auch als Ressourcenquelle interessant werden ...

Ruff: Das ist allerdings sicher noch einige Jahrzehnte entfernt. Bisher ist es der Wunsch, sich im Weltraum aufzuhalten, nicht gesellschaftsprägend.

ZEIT online: Mit welchen Fragen haben Sie sich in letzter Zeit außerdem beschäftigt?

Ruff: Wie entwickelt sich Mobilität in sich rasch verändernden Gesellschaften wie China oder Indien? Wie leben und bewegen sich die Menschen in 10 bis 15 Jahren? Oder etwas näher am Produkt: Wie gestalten wir die nächsten Pkw-Fahrzeuggeneration, die in fünf bis sieben Jahren auf den Markt kommen? Welche Anforderungen werden zukünftig an Lkws gestellt, etwa vor dem Hintergrund des sich verändernden Logistiksektors?

ZEIT online: Und wie kommen Sie zu möglichen Lösungen und Antworten?

Eckhard Minx: Bestes Beispiel sind unsere Workshops, in denen wir Soziologen, Ökonomen, Psychologen, Physiker, Historiker, Marketing-Experten, Kommunikationswissenschaftler und Fachleute aus anderen Disziplinen zusammenbringen und Szenarien zur zukünftigen Mobilität - etwa in China - erarbeiten. Dann reden wir anfangs über relevante Einflussfaktoren wie etwa das politisch-gesellschaftliche System, die Infrastruktur oder die Umwelt. Dann werden die beschriebenen Faktoren analysiert, Wechselwirkungen ermittelt und daraus unterschiedliche Szenarien entwickelt, wie sich diese Region in Zukunft entwickeln könnte. Wir stecken also den Raum des Möglichen, des Denkbaren ab.

ZEIT online: Was hat Daimler davon? Hat Ihre Arbeit direkten Einfluss auf den Bau von Fahrzeugen?

Ruff: Ein aktuelles Beispiel, wie die von uns entwickelten Szenarien dazu beitragen können, über Fahrzeugkonzepte nachzudenken, stammt aus den neunziger Jahren. Damals ging es um städtische Mobilität, Lebensqualität, Beweglichkeit, Parkraum, das ideale Stadtauto. Das Ergebnis kennen Sie: der Smart. Mit ihm entstand ein ganz neues Fahrzeugkonzept, und zwar nicht durch eine primär technikgeleitete, sondern eine kontextorientierte Herangehensweise.

ZEIT online: Können Sie sich eine Mobilität ohne Autos vorstellen?

Eckhard Minx: Das muss man sogar. Ich kann mir durchaus auch andere Formen der Mobilität vorstellen. Aber für die absehbare Zukunft gehen wir davon aus, dass es weiterhin Busse, Autos, Flugzeuge geben wird. Sie werden anders aussehen, aber das Grundmuster der Fortbewegung auf Rädern wird erst einmal bleiben - denn das mit dem "Beamen" von Menschen klappt ja noch nicht so richtig!

ZEIT online: Wie kann man künftig den Wunsch nach Mobilität mit dem Klimaschutz unter einen Hut bringen?

Eckhard Minx: Es gibt nur einen Weg: Mobilität muss energieeffizienter werden. Wir sind jetzt sechseinhalb Milliarden Menschen und ein großer Teil davon ist noch nicht mobil. Diese Menschen reklamieren für sich auch Mobilität, völlig berechtigt. Dem zu begegnen ist die zentrale Herausforderung für alle Autohersteller, aber auch für den Luftverkehr und die Schifffahrt.

Interview: Iris Rodriguez.


Artikel für ZEIT (marktplatz.zeit.de/angebote/karrierebranchenfuehrer/life-science/arbeitsmarkt)

Profiteure des demografischen Wandels

Intro:

Immer mehr alte Menschen und ein zunehmendes Gesundheitsbewußtsein – die Geschäftsentwicklungen in der Biotech-, Pharma- und Gesundheitsbranche bereiten Naturwissenschaftlern beste Einstiegsmöglichkeiten. Von Iris Rodriguez.

Text:

Gute Nachricht für Personalverantwortliche: Es gibt wieder mehr Naturwissenschaftler, die auf den Arbeitsmarkt kommen. Mehr als 43.000 Naturwissenschafts-Absolventen haben laut Statistischem Bundesamt ihr Studium im jahr 2007 erfolgreich absolviert – das sind neun Prozent mehr als im Vorjahr. Die Ausbildung des Nachwuchses und die konjunkturelle Entwicklung gehen also Hand in Hand, und das ist gut für beide Seiten: Unternehmen finden qualifiziertes Personal, Absolventen finden spannende Arbeitsbereiche. Insgesamt ist die Arbeitslosigkeit in den Naturwissenschaften seit Ende 2006 weiter spürbar rückläufig, bestätigt auch die aktuelle Studie „Arbeitsmarkt Kompakt 2007“ der Bundesagentur für Arbeit. Vor allem Chemiker haben gute Perspektiven, denn der Aufwärtstrend in der Chemiebranche ist ungebrochen: Laut aktuellem Lagebericht des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) erzielte die Branche im zweiten Quartal 2007 einen Umsatzzuwachs von 9,4 Prozent. Es wird erwartet, dass der Aufschwung sich weiter fortsetzt. Auch bei den Mathematikern sieht es relativ gut aus: Im Jahr 2006 ging die Arbeitslosigkeit um rund ein Drittel zurück, manche Arbeitgeber hatten sogar Schwierigkeiten, einen geeigneten Kandidaten zu finden, wie die Arbeitsagenturen berichten. Positiv auch der Trend bei den Physikern und Biologen, wo die Zahl der Arbeit Suchenden ebenfalls deutlich gesunken ist. Bei den Medizinern ist – trotz der laut Bundesärztekammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung angemahnten „Unterversorgung“ der Bevölkerung – insgesamt ein Trend zur Abwanderung in nichtärztliche Tätigkeiten zu beobachten.

Was die Mediziner vormachen, sollten auch andere Naturwissenschaftler bei ihrer Berufswahl häufiger in Betracht ziehen: Einfach mal über den Rand des Reagenzglases hinwegschauen. Denn es gibt viele Herausforderungen auch jenseits der Forschungsarbeit im Labor ( Karriere ohne Petrischale ). Zwar ist es hinlänglich bekannt, dass Naturwissenschaftler nicht nur in der Forschung gesucht werden, aber trotzdem zieht es viele hoch qualifizierte Nachwuchskräfte immer noch vor allem in die Wissenschaft. Doch ist es wirklich sinnvoll, dorthin zu streben, wo alle hinwollen? Gut ausgebildete Wissenschaftler und Forscher sind aktuell in der freien Wirtschaft gefragt wie nie: Klinische Monitore, Referenten, Medical Writer, Berater, Applikationsspezialisten, Geschäftsentwickler, Lizenzmanager sind nur einige Beispiele für zahlreiche noch junge Berufsbilder, die in Zukunft immer wichtiger werden.

Neben einem Karrierestart in den neuen Technologien wird aber auch das Gesundheitswesen immer relevanter. Hier kann man aufgrund der demografischen Entwicklung fast sicher von einem weiter ansteigenden Bedarf an hoch qualifiziertem Personal ausgehen. Naturwissenschaftler sind in beruflicher Hinsicht also die Profiteure einer alternden Gesellschaft. Bis zum Jahr 2020, so die Erwartung der Expetern, wird sich das Marktvolumen der gesundheitlichen Versorgung mehr als verdoppelt haben. Andreas Schambert, Geschäftsführer der T 5 Interface GmbH, berät Unternehmen beim Rekrutieren von Naturwissenschaftlern und veranstaltet einmal jährlich die Jobmesse T5 Futures (www.t5futures.de). Er weiß: „Die Gesundheitsbranche beschäftigt mehr Menschen als die Automobilindustrie und ist zum größten Wirtschaftsfaktor in Deutschland geworden“. Vielfältig und vielversprechend sei die Healthcare-Branche und anziehend auch deshalb, weil viele große Unternehmen von internationaler Bedeutung hier agieren und spannende Arbeitsfelder für Naturwissenschaftler bieten. Dennoch sollte der Berufseinstieg gut geplant sein. Neben der Begeisterung für das jeweilige Fachgebiet sowie einem breiten Wissensspektrum zählen Persönlichkeit und Soft Skills, wenn es um einen guten Jobstart geht. Gerade im Marketing und Vertrieb sucht man kommunikative Fachleute, die die Verbraucher auf diesen Markt aufmerksam machen.


Artikel für ZEIT (marktplatz.zeit.de/angebote/karrierebranchenfuehrer/life-science/arbeitsmarkt)

Die Nachfrage steigt

Intro:

Zunehmend kommen die Bachelor-Absolventen auf den Arbeitsmarkt. Die anfängliche Zurückhaltung der Handelsunternehmen ist unvoreingenommener Zustimmung gewichen. Von Iris Rodriguez.

Text:

Kürzere Studiengänge, jüngere Absolventen, internationale Ausrichtung – eigentlich gute Voraussetzungen für einen gelungenen Einstieg ins Berufsleben. Doch obwohl Bachelor- und Masterabsolventen gegenüber den Absolventen bisheriger Studienabschlüsse grundsätzlich gleichberechtigt sind, hatten viele Unternehmen anfangs Vorbehalte, weil sie die neuen Abschlüsse nicht richtig einschätzen konnten. Womit ist der Abschluss vergleichbar? Mit dem Vordiplom? Mit dem Diplom?

Erst langsam wird klarer, was hinter den europaweit nun vereinheitlichten Abschlüssen steht. Dennoch: „Wir haben noch nicht viel Erfahrung mit Bachelors, weil wir – wie alle anderen Unternehmen auch – am Anfang Berührungsängste hatten“, räumt Enrico Thiele, Berater Personalmarketing bei Primondo ein, denn „wir konnten nicht so recht einschätzen, was dahinter steht.“ Laut einer Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln), das 672 Unternehmen befragte, ist die Wirtschaft jedoch insgesamt zufrieden mit dem neuen Abschluss und hält die Bachelorabsolventen bei längerer Praxisbewährung auch geeignet für Führungspositionen. Fazit: Alles in allem fällt die bisherige Bilanz für den neuen Abschluss positiv aus.

Auch im Handel hat man mittlerweile viele gute Gründe entdeckt, um die anfänglichen Vorbehalte zu begraben. Die Tatsache, dass die Zeit für Praktika auf die Hälfte verkürzt wurde, es zudem nur zwei Praktika überhaupt gibt, hat im Handel, wo es ganz viel auf Praxiserfahrung ankommt, ein Umdenken in den Human Resources-Abteilungen erforderlich gemacht. Heute sehen die Personalentscheider, was wirklich hinter dem Studium steckt: Straffes Durchstudieren, dieselben Inhalte in wesentlich kürzerer Zeit, streng geregelte Studiendauer, eine festgesetzte Wochenstudienzeit von 40 Stunden – gerne auch mehr.... wer das durchzieht, kann so schlecht nicht sein. Der ist zielorientiert, ehrgeizig, leistungsorientiert, und besitzt damit genau die Soft Skills, die immer gesucht werden.

So sieht man auch in der Jugend der Bewerber durchaus Vorteile. Bachelorabsolventen sind in der Regel zwischen 22 und 23 Jahren alt und können ihre Berufserfahrungen im Unternehmen machen. Manches Unternehmen sieht darin die Chance, „jung und unerfahren“ mit „älter und erfahren“ zu mischen und so die Stärken aus beiden Welten in das Arbeitsergebnis miteinfließen zu lassen. Die Chancen für Unternehmen, Mitarbeiter an sich zu binden, steigt ebenfalls, denn als Bachelor einsteigen heißt, nach einer einjährigen Traineezeit höchstens 24 zu sein. Da ist es für alle, die ihre Karriere vorantreiben möchten, kein Problem, mit 26 oder 27 Führungskraft zu sein.

Ein guter Weg, um die gegebenenfalls noch hier und da vorhandene Zurückhaltung aufzubrechen, sind Jobmessen. Persönliches Kennenlernen auf diesen Messen ist sehr hilfreich. Das bestätigt auch Enrico Thiele. „Wir haben eigentlich erst durch die direkten Kontakte mit den Studenten auf Job- und Absolventenmessen unsere Vorbehalte ausräumen können.“

Eine Übersicht der für die Branche Handel relevanten großen Absolventen- und Karrieremessen haben wir hier [...] » zusammengefasst.


Artikel für ZEIT (marktplatz.zeit.de/angebote/karrierebranchenfuehrer/wirtschaftspruefung/berufsbild)

Am Puls der Wirtschaft.

Intro:

Übernahmen und Fusionen, ausländische Investoren auf Einkaufstour, Unternehmenskrisen, Wirtschaftskriminalität und immer neue Kontrollgesetze – es war nie spannender, Wirtschaftsprüfer zu sein!

Text:

Wenn auf unerklärliche Weise Firmengelder verschwinden und Unternehmen Verluste in Millionenhöhe verzeichnen müssen, dann kommen Wirtschaftsprüfer zum Einsatz. Spezialgebiet: Forensische Wirtschaftsprüfung. Wohin sind die Firmengelder tatsächlich gegangen? Wie konnte es zur Bilanzfälschung kommen? Wer hatte im Korruptionsskandal die Hände im Spiel, wer in welchem Umfang veruntreut? Wirtschaftsprüfer ermitteln die Schadenhöhe, klären, wer sich wann und wie bereichert hat, sichern Beweise und decken dubiose Verflechtungen auf. Zwar arbeitet nur ein kleiner Teil aller Wirtschaftsprüfer in Deutschland in der Forensik, doch auch wo der kriminalistische Aspekt in der Arbeit fehlt, ist Wirtschaftsprüfung in einer sich rasch verändernden Globalwirtschaft ein spannendes und vielseitiges Arbeitsfeld. Mit eintönigem Aktenwälzen und dem Addieren von Zahlenkolonnen hat dieser Beruf schon längst nichts mehr zu tun. Wirtschaftsprüfer sind heute mittendrin im Geschehen, lernen die Wirtschaft und ihre Unternehmen von innen kennen, sind Vertrauensperson des Vorstands, Geheimnisträger mit Insiderwissen und meist die ersten, die sehen, wenn etwas nicht richtig läuft.

„Wenn man sich die Wirtschaft als wilde Natur vorstellt, wäre der Wirtschaftsprüfer ein Eichelhäher“ erklärt Hendrik Koch (33), Manager im Bereich Wirtschaftsprüfung bei KPMG in Düsseldorf. Denn immer, wenn Gefahr drohe oder etwas Unvorhergesehenes passiere, gebe der Eichelhäher Laut. „Und das ist bei uns Wirtschaftsprüfern ähnlich“ konstatiert der Sohn eines Landwirts. Es gehe darum, die Öffentlichkeit zu informieren und zu warnen, wenn durch einen nicht ordnungsgemäßen Jahresabschluss etwas schief gehen könnte. Diese Prüfungen von Jahres- und Konzernabschlüssen nach nationalen und internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen gehören zur Kerntätigkeit von Wirtschaftsprüfern. Darüber hinaus sind sie aber auch immer häufiger als Unternehmensberater im weiteren Sinne tätig: Sie müssen wirtschaftliche, finanzielle, organisatorische und wirtschaftsrechtliche Problemstellungen ihrer Mandanten schnell erfassen und lösen können. Hinzu kommt die Bearbeitung und Betreuung von steuerlichen Angelegenheiten, wobei steuerrechtliche Vorschriften sich ständig ändern und immer komplexer werden. Hier stets auf dem neuesten Stand der Entwicklungen zu sein bedeutet permanentes Lernen. (Weitere Informationen [...])

Doch die Einsatzgebiete für Wirtschaftsprüfer sind noch erheblich vielfältiger:

- Sie begleiten Aktiengesellschaften beim Gang an die Börse
- Sie prüfen die Verschmelzung von Gesellschaften inklusive Chancen- und Risikoanalysen
- Sie bereiten für ausländische Investoren die neuesten Änderungen im Steuerrecht auf
- Sie vollziehen Sonderprüfungen zur Kreditwürdigkeit von Sanierungsplänen, von Unternehmensgründungen, aber auch Angemessenheitsprüfungen bei Barabfindungen oder im Rahmen eines Aktientauschs
- Außerdem werden sie auch bei Geschäftsstreitigkeiten tätig.

Schließlich sind Wirtschaftsprüfer häufig auch als Treuhänder, z.B. Vermögensverwalter oder Testamentsvollstrecker und als Gutachter und Sachverständige z.B. bei Gericht tätig und übernehmen mit ihren Gutachten eine vielfache Verantwortung. Ihre Ergebnisse beeinflussen kundeninterne Entscheidungen ebenso wie das Urteil von Anlegern und sie müssen dabei den strengen Richtlinien nationaler und internationaler Aufsichtsbehörden standhalten.
Bei dieser Fülle an Einsatzbereichen ist es kein Wunder, dass die Branche einen Mangel an qualifiziertem Nachwuchs verzeichnet. „Wir suchen vor allem Absolventen der Betriebswirtschaft, aber auch aus den Bereichen Wirtschaftsmathematik, Wirtschaftsingenieurwesen, Wirtschaftsinformatik und Rechtswissenschaften“, erklärt Dr. Bernhard Riester, Leiter Human Ressource Services von PricewaterhouseCoopers, Aber auch Geisteswissenschaftler hätten gute Chancen, sofern sie eine gewisse Affinität zu Zahlen mitbrächten. Die Wirtschaftsprüferkammer bestätigt dies: Von den rund 13.000 Wirtschaftsprüfern in Deutschland haben 79 % ein betriebswirtschaftliches Studium, 5 Prozent ein volkswirtschaftliches und 5,5 % ein rechtswissenschaftliches Studium absolviert. Berufseinsteiger sollten sich auf hohe Anforderungen an ihre Qualifikation sowohl in fachlicher als auch persönlicher Hinsicht einstellen. Von ihnen wird ein unbestechlicher Blick, ein hohes Maß an Seriosität und Diskretion, ein breites und immer wieder zu aktualisierendes Fachwissen und überdurchschnittliche Einsatzbereitschaft erwartet.
Neue Aufgabenfelder haben sich vor allem durch das Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG) ergeben. Aktiengesellschaften sind heute per Gesetz dazu verpflichtet, ein Frühwarnsystem über bestandsgefährdende Risiken des Unternehmens zu installieren. In diesem dynamischen Umfeld mit sich stets ändernden Rechnungslegungsnormen und sich weiter entwickelnden Prüfungsstandards agieren Wirtschaftsprüfer in einem Beruf, der von konjunkturellen Schwankungen weitgehend unabhängig ist.


Artikel für ZEIT (marktplatz.zeit.de/angebote/karrierebranchenfuehrer/wirtschaftspruefung/examen)

Das Lernen hört nie auf.

Intro:

Wer als Wirtschaftsprüfer in der Businessclass von Morgen mittanzen möchte, braucht eine präzise Karriereplanung. Der wichtigste Schritt: Das Wirtschaftsprüfungsexamen. Für alle, die nichts lieber tun als lernen.

Text:

„Einen Tango lernt man nicht in der Theorie, man muss ihn sich erlaufen“. Michael Kunisch, Senior Manager bei KPMG, muss es wissen, denn der erfahrene Wirtschaftsprüfer ist leidenschaftlicher Tangotänzer. Und wie beim Tango ist auch die Ausbildung zum Wirtschaftsprüfer keine rein theoretische Ausbildung, sondern setzt einige Jahre praktische Anwartszeit voraus. In dieser Zeit müssen die angehenden Wirtschaftsprüfer als Prüfungsassistenten bereits an Abschlussprüfungen teilgenommen und bei der Abfassung von Prüfungsberichten mitgewirkt haben. Die Wirtschaftsprüfungsordnung schreibt als Zulassungsvoraussetzung in Bezug auf die praktische Ausbildung für Bewerber mit einem abgeschlossenen Hochschulstudium (Regelzeit 8 Semester) den Nachweis von drei Jahren vor, für Bewerber mit einer kürzeren Regelstudienzeit verlängert sich die Praxiszeit um ein Jahr. Für Steuerberater und vereidigte Buchprüfer besteht die Möglichkeit, das Wirtschaftsprüfungsexamen in verkürzter Form abzulegen, wodurch im Rahmen der Prüfungen bestimmte Prüfungsgebiete entfallen. Das Examen umfasst 14 Klausuren und eine mündliche Prüfung mit Kurzvortrag.

Bis vor einigen Jahren war das Examen noch eine Tortur, die Durchfallquoten hoch, die Prüfungsergebnisse schlecht und die Absolventen standen nicht selten kurz vor ihrem 40. Geburtstag. Eine Reform der Zulassungs- und Prüfungsverfahren im Jahr 2004 brachte jedoch Verbesserungen sowohl inhaltlich durch eine stärkere Orientierung an der Praxis, aber auch formal durch ein bundeseinheitliches Examen.

Die Wirtschaftsprüfungsunternehmen stützen ihre Mitarbeiter bei der Vorbereitung auf das Examen in unterschiedlicher Weise: Sie bieten interne Weiterbildungsseminare an, geben finanzielle Hilfe in der Phase der Vorbereitungskurse (etwa ein Jahr vor der Prüfung), räumen Zeitkonten ein, in die für die Prüfungen „eingespart“ werden kann oder gewähren bezahlten Sonderurlaub. Einer, der den harten Weg gegangen ist, ist Dr. Ulrich Schaefer, heute Senior Manager bei AABS / Stuttgart. Der Quereinsteiger erinnert sich noch gut an diese Zeit:

“Ernst & Young hatte mir als Naturwissenschaftler mit einem „Bachelor of Business Administration“ einen Quereinstieg ermöglicht, und so machte ich dort 1999 mein Wirtschaftsprüferexamen. Eigentlich macht man zuerst das Steuerberaterexamen, doch da wurde mein naturwissenschaftliches Studium nicht anerkannt. Das bedeutete, dass ich beim Wirtschaftsprüferexamen alles auf einmal machen musste. Dafür hatte ich ein Lernpensum zu bewältigen wie noch nie.“

Aber auch nach dem bestandenen Examen hört das Lernen nie auf, sondern wird zum festen Bestandteil der eigenen Entwicklung. Denn in kaum einem anderen Berufsfeld gibt es so viel Dynamik und ständige Veränderungen z.B. durch Neuerungen in der internationalen Rechnungslegung. Regelungen, die die tägliche Arbeit direkt beeinflussen und stets aktuell abrufbereit sein müssen – um damit den hohen Erwartungen der Mandanten begegnen zu können.

Doch gerade weil der Weg zum Wirtschaftsprüfer nicht zu den bequemen zählt, spiegelt sich die intensive Ausbildung im Gehalt wieder. Frisch examinierte Wirtschaftsprüfer starten mit einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 51.000 Euro, wer zwei bis fünf Jahre als Wirtschaftsprüfer arbeitet, kommt auf ein Jahresbruttogehalt in Höhe von rund 55.900 Euro, so das Beratungsunternehmen Personal Markt, das sich auf Vergütungsthemen spezialisiert hat. Bei einer Berufspraxis von über zehn Jahren liegt das Gehalt bei etwa 66.300 Euro. Spitzengehälter zahlen die Big Four der Branche (Deloitte & Touche, Ernst & Young, KPMG und PricewaterhouseCoopers).

Wer so fundiert Wissen und Erfahrung erworben hat, dem bieten sich viele Karrierechancen, etwa durch den Wechsel „auf die andere Seite“, also zum Mandanten. Es ist kein Geheimnis, dass Prüfungsassistenten von ihren Vor-Ort-Einsätzen beim Mandanten mit Jobangeboten nach Hause kommen. Dr. Bernhard Riester, Leiter Human Ressource Services bei PricewaterhouseCoopers sieht darin jedoch kein Problem:„Wir steigern durch die gute Ausbildung unserer Mitarbeiter deren Marktwert, was dazu führen kann, dass sie nach drei bis fünf Jahren zu Mandanten gehen und dort die Topjobs bekommen. Das ist Bestandteil unserer Karrieremodells und so gewollt.“

Ausführliche Infos zum WP-Examen wie Termine, Merkblätter etc. stellt die Webseite der Wirtschaftsprüferkammer www.wpk.de zur Verfügung.

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